Wann kununu eine Bewertung entfernt
kununu lebt vom Prinzip der ehrlichen, anonymen Arbeitgeberbewertung. Deshalb ist die Hürde für eine Löschung bewusst hoch: Eine negative, aber sachlich vorgetragene Meinung eines tatsächlichen Mitarbeiters bleibt in der Regel bestehen. Entfernt werden Bewertungen, die gegen die kununu-Richtlinien oder gegen geltendes Recht verstoßen.
Gute Chancen bestehen, wenn eine Bewertung unwahre Tatsachenbehauptungen enthält, also konkrete, überprüfbare Aussagen, die nachweislich falsch sind. Ebenso bei Beleidigungen und Schmähkritik, bei Bewertungen von Personen ohne echten Bezug zum Unternehmen, bei Verwechslungen sowie bei Inhalten mit personenbezogenen Daten oder rechtswidrigen Aussagen. Auch offensichtliche Mehrfachbewertungen aus demselben Umfeld können beanstandet werden.
Nicht entfernbar sind dagegen zulässige Werturteile: Wer schreibt, die Führung sei aus seiner Sicht schlecht oder die Stimmung angespannt, gibt eine Meinung wieder. Solche Aussagen sind vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt, auch wenn sie dem Arbeitgeber missfallen. Die Kunst besteht darin, den Unterschied zwischen unzulässiger Tatsachenbehauptung und zulässigem Werturteil sauber herauszuarbeiten.
Fake-Bewertung oder echte Kritik?
Vor jedem Löschversuch steht die nüchterne Einordnung. Stammt die Bewertung von einer real beschäftigten Person, oder handelt es sich um eine gefälschte Bewertung, etwa von einem Wettbewerber, einem enttäuschten Bewerber ohne Anstellung oder aus persönlichem Motiv? Beide Fälle brauchen eine andere Strategie.
Fake-Bewertungen zeigen oft typische Muster: Details, die nicht zu Ihren tatsächlichen Abläufen passen, Vorwürfe zu Positionen, die es gar nicht gibt, oder ein zeitlicher Zusammenhang mit einem Konflikt. Woran sich gefälschte Bewertungen erkennen lassen, beschreibt unser Ratgeber Fake-Bewertungen erkennen. Je klarer der Fälschungsverdacht belegbar ist, desto besser stehen die Chancen im Meldeverfahren.
Bei echter, aber unfairer Kritik ist die Abwägung zwischen Löschen und Kontern entscheidend. Eine sachliche öffentliche Stellungnahme des Arbeitgebers wirkt auf Bewerber oft überzeugender als das bloße Verschwinden einer Bewertung. Mehr dazu in unserem Ratgeber löschen oder kontern.
Der Meldeprozess bei kununu Schritt für Schritt
kununu stellt einen offiziellen Meldeweg bereit. Der erste Schritt ist immer die kostenlose Meldung über die Plattform, bevor rechtliche Mittel erwogen werden. Öffnen Sie die betreffende Bewertung und nutzen Sie die Funktion zum Melden. Geben Sie den konkreten Grund an, etwa unwahre Behauptung, Beleidigung oder fehlender Beschäftigungsbezug.
Im zweiten Schritt fordert kununu bei begründeten Beanstandungen häufig eine Stellungnahme an. Formulieren Sie sachlich, benennen Sie die beanstandete Passage genau und erklären Sie, warum sie unzulässig ist. Bei behaupteten Tatsachen ist es hilfreich, den Widerspruch zur Realität nachvollziehbar darzulegen. Je präziser die Begründung, desto eher wird kununu tätig.
Im dritten Schritt prüft kununu den Fall und kann den Verfasser um einen Nachweis des Beschäftigungsverhältnisses bitten. Kann dieser nicht erbracht werden, wird die Bewertung in der Regel entfernt. Der Prozess braucht Geduld; eine Rückmeldung kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Dokumentieren Sie alle Schritte und fassen Sie bei Bedarf nach.
Anonymität und Beweislast
Die Besonderheit bei kununu ist die Anonymität der Bewertenden. Der Arbeitgeber erfährt nicht, wer bewertet hat. Das ist gewollt und schützt Mitarbeiter vor Nachteilen. Für den Löschprozess bedeutet es aber, dass Sie nicht direkt gegen eine bestimmte Person vorgehen, sondern den Inhalt über die Plattform und ihre Prüfmechanismen angreifen.
Wichtig ist das Zusammenspiel aus Äußerungsrecht und dem Prüfprozess des Portals. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs muss ein Bewertungsportal bei einer substantiierten Beanstandung ein Prüfverfahren einleiten und beim Bewertenden nachfragen, ob dem Beitrag ein echter Kontakt zugrunde liegt. Kann der Bewertende den Bezug nicht plausibel machen, ist die Bewertung zu entfernen. Dieses Prinzip stärkt Arbeitgeber gerade bei zweifelhaften Bewertungen.
Die Beweislast verteilt sich also: Sie müssen die Beanstandung konkret begründen, der Bewertende muss im Prüfverfahren den Bezug belegen. Genau hier entscheidet sich oft, ob eine Bewertung Bestand hat. Eine pauschale Beschwerde reicht nicht; eine präzise, auf konkrete Aussagen bezogene Begründung erhöht die Erfolgsquote deutlich.
Der Rechtsweg: wann ein Anwalt sinnvoll ist
Bleibt die Bewertung trotz Meldung stehen und verletzt sie Ihre Rechte, kann der Rechtsweg der nächste Schritt sein. Ein auf Äußerungs- und Reputationsrecht spezialisierter Anwalt kann eine formelle Beanstandung einreichen und, falls nötig, Unterlassungsansprüche geltend machen. Grundlage sind je nach Fall das Unternehmenspersönlichkeitsrecht und das Äußerungsrecht.
Besonders aussichtsreich ist der Weg bei unwahren Tatsachenbehauptungen, denn falsche Tatsachen sind nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt. Bei reinen Werturteilen ist die Hürde deutlich höher. Ob sich der Aufwand lohnt, hängt vom Einzelfall ab, etwa vom Schadenspotenzial der Bewertung und von der Belegbarkeit der Unwahrheit.
Das Bewertungsinstitut ist keine Rechtsanwaltskanzlei und leistet keine Rechtsberatung. In Fällen, in denen ein juristisches Vorgehen aussichtsreich erscheint, sollten Sie im Einzelfall anwaltlichen Rat einholen. Für die vorgelagerte Prüfung und Meldung unzulässiger Bewertungen unterstützt Sie unser Service negative Bewertungen entfernen lassen.
Wie eine Bewertung den kununu-Score beeinflusst
Der kununu-Gesamtscore ist ein Durchschnitt der einzelnen Bewertungsdimensionen, etwa Arbeitsatmosphäre, Vorgesetztenverhalten, Gehalt und Work-Life-Balance. Eine einzelne sehr schlechte Bewertung zieht diesen Durchschnitt umso stärker nach unten, je weniger Bewertungen insgesamt vorliegen. Bei einem kleinen Profil kann eine einzige Ein-Stern-Bewertung den Schnitt spürbar drücken.
Zusätzlich zeigt kununu einen Weiterempfehlungswert an, der ausdrückt, wie viele Bewertende das Unternehmen weiterempfehlen würden. Auch dieser Wert reagiert bei kleinen Profilen empfindlich auf einzelne Stimmen. Das erklärt, warum gerade Arbeitgeber mit wenigen Bewertungen unter einer einzelnen negativen Bewertung besonders leiden.
Die Konsequenz ist eindeutig: Wer den Score stabilisieren will, braucht eine breitere Basis. Eine erfolgreiche Löschung hebt den Schnitt zwar punktuell, aber erst ein kontinuierlicher Zulauf echter Bewertungen macht das Profil widerstandsfähig gegen künftige Ausreißer.
Warum Löschen allein selten reicht
Selbst eine erfolgreiche Löschung löst das Grundproblem nicht, wenn ein Arbeitgeberprofil insgesamt dünn ist. Bei nur wenigen Bewertungen fällt eine einzelne negative Stimme stark ins Gewicht und prägt den Gesamteindruck. Bei vielen aktuellen Bewertungen relativiert sich ein Ausreißer von selbst. Ein starkes Profil ist deshalb der beste Schutz.
Hinzu kommt der zeitliche Faktor: Bewerber schauen auf die jüngsten Bewertungen. Ein Profil, das seit Monaten stillsteht, wirkt weniger überzeugend als eines mit stetigem, frischem Zulauf. Ein aktives Employer Branding, das zufriedene Mitarbeiter zur Bewertung ermutigt, hält das Profil lebendig und aussagekräftig.
Ein starkes kununu-Profil zahlt direkt auf das Recruiting ein: Es senkt die Bewerbungshürde, unterstützt die Arbeitgebermarke und wirkt der Fluktuation entgegen. Wer hier investiert, gewinnt mehr als nur eine schönere Statistik, sondern einen echten Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte.
Was Sie bei einer neuen negativen Bewertung sofort tun sollten
Reagieren Sie strukturiert statt emotional. Der erste Schritt ist die Dokumentation: Machen Sie einen Screenshot mit Datum, damit der Wortlaut gesichert ist, falls die Bewertung später geändert wird. Notieren Sie, welche konkreten Aussagen aus Ihrer Sicht unzulässig sind und warum. Diese Vorarbeit entscheidet oft über den Erfolg der späteren Meldung.
Der zweite Schritt ist die nüchterne Bewertung der Erfolgsaussichten: Handelt es sich um eine unwahre Tatsachenbehauptung, eine Beleidigung oder eine fehlende Beschäftigung? Dann ist der Meldeweg aussichtsreich. Handelt es sich um ein zulässiges, wenn auch unangenehmes Werturteil? Dann ist eine sachliche öffentliche Antwort meist der bessere Hebel.
Der dritte Schritt ist die öffentliche Reaktion. Auch wenn eine Löschung angestrebt wird, lohnt sich eine ruhige, professionelle Stellungnahme, denn Bewerber lesen mit. Vermeiden Sie dabei interne Details und persönliche Angriffe. Eine besonnene Antwort schadet nie, während eine emotionale Entgleisung den Schaden vergrößern kann. Beziehen Sie im Zweifel eine zweite Person aus dem Team ein, bevor Sie eine öffentliche Antwort veröffentlichen, denn ein zweiter Blick verhindert vorschnelle Formulierungen.
Alternative: das Arbeitgeberprofil mit echten Bewertungen stärken
Der nachhaltigste Weg, den Schaden einer negativen Bewertung auszugleichen, ist eine breite, aktuelle und glaubwürdige Bewertungsbasis. Das Bewertungsinstitut unterstützt Arbeitgeber beim seriösen Aufbau echter kununu-Bewertungen von aktiven Profilen mit Historie, verteilt über die Zeit statt in einem auffälligen Schub.
Wichtig ist, dass die Bewertungen reale Eindrücke widerspiegeln. kununu prüft Muster, die nicht zu einem echten Beschäftigungsbezug passen, und entfernt sie. Ein natürliches Tempo und echte Profile sind deshalb keine Kosmetik, sondern die Voraussetzung für Beständigkeit. In Kombination mit dem aktiven Bitten der eigenen Belegschaft entsteht ein robustes Profil.
So verschiebt sich der Gesamteindruck dauerhaft in die richtige Richtung, ohne dass ein verdächtiges Muster entsteht. Der Aufbau echter kununu-Bewertungen ist damit die wirksamste Ergänzung zu jedem Löschversuch, denn er stärkt die Arbeitgebermarke von Grund auf und wirkt weit über den einzelnen Vorfall hinaus.